Das IMC WIKI ist umgezogen...

... zur OREC-Library. Um zur OREC-Library zu gelangen klicken sie auf den folgenden Link:


OREC-Library
| IMC Wiki | Unterkieferfrakturen, infiziert

Unterkieferfrakturen, infiziert

  • Start
  • Suche
  • von A bis Z
  • Kategorien

<< zurück



Einleitung

Infizierte Unterkieferfrakturen werden vielfach noch konservativ durch intermaxillare Verdrahtung bzw. mit dem Fixateur extern behandelt (Herzog 2001). Es hat sich jedoch gezeigt, dass infizierte Frakturen trotz Fremdmaterial (Platten und Schrauben) ausheilen, wenn es gelingt, eine zuverlässige Stabilisation herbeizuführen. Von entscheidender Bedeutung ist dabei die Fixation der Osteosyntheseplatten mit Schrauben im gesunden Knochen außerhalb des entzündlich veränderten Gewebes. Der Kompressionsosteosynthese ist in diesen Fällen der Vorzug vor der Miniplattenosteosynthese zu geben (Prein et Schmoker 1989, Luhr et al. 1996).
Bei zuverlässiger Stabilisation mit Hilfe der Osteosynthese lässt sich die Infektion durch Inzision, Drainage und gegebenenfalls durch zusätzliche Antibiotikatherapie behandeln (Johansson et al. 1988).
ANZEIGE:
Logo IMC Uni Essen Duisburg
in Kooperation mit
Logo MVZ Kopfzentrum
Zahnimplantate,
Parodontosebehandlungen,
Aesthetische Zahnbehandlungen
zu sehr guten Konditionen
In der Praxis für Zahnmedizin im EKN Duisburg
Weitere Informationen unter www.mvz-kopfzentrum.de

Therapiemöglichkeiten

Der Zugang erfolgt häufig von extraoral, nur in seltenen Fällen von intraoral.

Begleitmaßnahmen

Akute Infektion
  • Abszessspaltung
  • Antibiose praeoperativ einige Tage, dann Operation und Antibiose ca. 5 Tage postoperativ
Chronische Infektion
  • Antibiose praeoperativ einige Tage, dann operative Stabilisierung und Antibiose ca. 5 Tage postoperativ
  • Fixateur intern und eventuell Augmentation mit einem Beckenspan, keine Verwendung von Fremdmaterial

Problem

Häufig liegen veraltete nicht erkannte Frakturen mit Abszessbildung vor.
lokal
  • Schwellung extra- und intraoral
  • Rötung extra- und intraoral
  • Druckdolenz extra- und intraoral
  • eingeschränkte Mundöffnung
allgemein
  • erhöhte Temperatur
  • allg. Abgeschlagenheit
  • Krankheitsgefühl
  • Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) erhöht
  • Leukozyten erhöht
  • C-reaktives Protein erhöht

Diagnostik

  • Anamnese
  • klinische Untersuchung
  • Keimbestimmung und Antibiogramm, Ausschluss einer Aktinomykose
  • Funktionsprüfungen
  • Röntgen in 2 Ebenen

Therapieplanung

  1. Therapie der akuten Infektion
    • ggf. Abszessspaltung
    • gezielte antibiotische Behandlung
    • Erst nach Abklingen der akuten Symptomatik erfolgt die Frakturbehandlung.
  2. Frakturbehandlung
    • Die Darstellung der Fraktur erfolgt meist von extraoral, nur in seltenen Fällen von intraoral.
    • Da meist keine interfragmentäre Abstützung erzielt wird, ist ein Fixateur intern angezeigt.
    • Die Operation wird unter antibiotischer Abdeckung durchgeführt.
    • Ggf. ist eine offene Nachbehandlung erforderlich.
    • Die Antibiose wird mindestens 5 Tage postoperativ fortgeführt
  3. Zusatzmaßnahmen
    nach Abklingen der akuten Infektion evtl. Zusatzmaßnahmen wie:
    • Jod-Iontophorese
    • Mikrowellenbehandlung
    • Mundöffnungsübungen

Unterkieferfrakturen nach Entfernung der Weisheitszähne

Für Unterkieferfrakturen nach Entfernung der Weisheitszähne wird eine Inzidenz im Bereich von 0,0046% und 0.0049% angegeben (Perry et Goldberg 2000, Libersa et al.2002). Die Ursachen sind multifaktoriell und vom Alter, Geschlecht, Art der Impaction, einer bereits existierenden Infektion und der Einhaltung einer weichen Diät in der postoperativen Periode abhängig. Die meisten Frakturen traten zwischen den 1. und 21. Tagen postoperativ auf. Die größte Inzidenz der sofortigen und späten Mandibulafrakturen tritt bei Patienten auf, die älter als 25 Jahre sind und männlichen Geschlechts (Libersa et al 2002). Männer über 25 Jahre sollten sowohl über die Gefahr einer möglichen postoperativen Mandibulafraktur nach chirurgischer Entfernung der unteren Weisheitszähne aufgeklärt werden als auch über die Notwendigkeit und die Dauer einer weichen Kost postoperativ (Perry und Goldberg 2000).


Quellen

  • Herzog M, (2001) Osteosynthesen bei Kopf- und Gesichtsverletzungen, Trauma Berufskrankh 3:45-53
  • Johansson B, Krekmanov L, Thomsson M (1988) Miniplate osteosynthesis of infected mandibular fractures, J Craniomaxillofac Surg. 1988 Jan;16(1):22-7
  • Libersa P, Roze D, Cachart T, Libersa JC (2002) Immediate and late mandibular fractures after third molar removal, J Oral Maxillofac Surg 60:163-5
  • Luhr HG, Reidick T, Merten HA (1996a) Frakturen des atrophischen Unterkiefers - eine Herausforderung für die Therapie, Fortschr Kiefer Gesichtschir 41:151-4
  • Perry PA, Goldberg MH (2000) Late mandibular fracture after third molar surgery: a survey of Connecticut oral and maxillofacial surgeons, J Oral Maxillofac Surg 58:858-61
  • Prein J,Schmoker R (1989) Treatment of infected fractures and pseudarthrosis of the mandible, In: Spiessl B (Hrsg) New concepts in maxillofacial bone surgery. Springer, Berlin, Heidelberg New York, S 169