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Granulome (sog.), Einleitung und Klassifikation reaktiver tumorartiger Läsionen des Weich- und Knochengewebes

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Terminologie

Im klinischen Sprachgebrauch werden die Begriffe Granulom, granulomatöse Entzündung und Granulationsgewebe, die aus histomorphologischer Sicht unterschiedliche Läsionen bzw. Prozesse bezeichnen, häufig als Synonyme verwendet. Dies kann zu Missverständnissen führen. Zusätzlich werden einige Veränderungen des Parodontiums, des Weich- und Knochengewebes im Kieferbereich unter dem Begriff "sogenannte Granulomen" zusammengefasst. Diese Gruppe enthält zahlreiche Erkrankungen gänzlich unterschiedlicher Pathogenese, darunter auch maligne Prozesse, die nach ihrer Lokalisation in zentral und peripher gelegene eingeteilt werden. Eine weitere Schwierigkeit entsteht durch die unterschiedliche Klassifikation obiger Erkrankungen in deutschsprachigen- und nicht deutschsprachigen Ländern.

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Definitionen

1. Granulationsgewebe
ist ein mesenchymales Ersatzgewebe, das sich bei größeren Gewebedefekten im Rahmen von Entzündungen, Wundheilungen und Nekrosen bildet. Es entsteht bei den chronisch-granulierenden Entzündungen und ist als Grundlage der Defektheilung anzusehen.
Histomorphologische Kennzeichen sind:
  • reaktives, junges, lockeres Gewebe
  • Hauptbestandteile: zahlreiche proliferierende Kapillarsprossen und Fibroblasten
  • eingestreut Entzündungszellen (Makrophagen/Histiozyten, Lymphozyten, Plasmazellen, Granulozyten)
  • durch Gefäßschlingen körnige Erhabenheiten (Granula) an der Oberfläche
2. Chronisch-granulomatöse Entzündung
Die granulomatösen Entzündungen stellen eine Sonderform der chronischen Entzündungen dar. Sie werden auch als "spezifische Entzündungen" bezeichnet. Sie sind gekennzeichnet durch die Ausbildung von "Granulomen", d. h. kleinen, lokalisierten, knotigen Anordnungen von Makrophagen, und werden durch eine ganze Reihe infektiöser und nicht-infektiöser Agenzien ausgelöst. Eine Aussage zur Ätiologie jedoch erfordert gewöhnlich weitere Untersuchungen.

3. Granulome
Als Granulome (lat. Granulum = Körnchen) werden kleine (0,5-2 mm), lokale Ansammlungen von Makrophagen, darunter auch modifizierte Makrophagen, sog. Epitheloidzellen bezeichnet. Mehrkernige Riesenzellen (z. B. Langhans'sche Riesenzellen oder Fremdkörper-Riesenzellen) sind oft Bestandteile von Granulomen.

Zwei Grundformen und eine Mischform von Granulomen sind morphologisch zu unterscheiden:
  1. immunologisch bedingte Epitheloidzellgranulome und
  2. nicht-immune (histiozytären) Fremdkörpergranulome sowie
  3. gemischtzellige Granulome
Epitheloidzellgranulome
  • kleinherdige Epitheloidzellansammlungen ("sarcoid-like lesions")
  • Epitheloidzellgranulome ohne verkäsungsartige Nekrose (Sarkoidose-Typ)
  • Epitheloidzellgranulome mit verkäsungsartiger Nekrose (Tuberkulose-Typ)
  • Epitheloidzellgranulome mit zentralem Abszess (Pseudotuberkulose-Typ)
  • Granulome vom rheumatoiden Typ
histiozytäre Granulome
  • Granulome vom rheumatischen Typ
  • Granulome vom Fremdkörpertyp
gemischtzellige Granulome

4. "sogenannte Granulome"
Veränderungen des Parodontiums, des Weich- und Knochengewebes im Kieferbereich mit histologischen Analogien zum Granulationsgewebe, zu Granulomen bzw. zu deren zellulären Bestandteilen.
Einteilung nach der Lokalisation:
  1. periphere sogenannte Granulome, d. h. außerhalb des Kieferknochens gelegen
  2. zentrale sogenannte Granulome, d. h. innerhalb des Kieferknochens gelegen

Klassifikation

Im Mund-Kiefer- und Gesichtsbereich kommen unter anderem folgende sogenannte Granulome vor:

1. sogenannte Epulitiden
  • pyogenes Granulom
  • fibröse Hyperplasie
  • peripheres Riesenzellgranulom
2. riesenzellhaltige tumorähnliche und tumoröse Kieferveränderungen
  • zentrales Riesenzellgranulom
  • Riesenzelltumor
  • aneurysmatische Knochenzyste
  • sogenannter brauner Tumor des Hyperparathyreoidismus
  • Cherubismus
3. eosinophiles Granulom des Knochens (Histiocytosis X bzw. Langerhanszell-Granulomatose)

4. Wegener-Granulomatose

5. malignes (letales) Mittelliniengranulom