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| IMC Wiki | Unterkieferkorpusfrakturen: Klassifikation, Diagnostik und Therapieindikation

Unterkieferkorpusfrakturen: Klassifikation, Diagnostik und Therapieindikation

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Definition

Unterkieferfrakturen sind Frakturen des Unterkieferkörpers und des aufsteigenden Unterkieferastes, häufig kombiniert mit Alveolarfortsatz- und Gelenkfrakturen.
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Ursachen

#pic#
  • Bei Gesichtsschädelverletzungen ist zu 65-70 % der Unterkiefer mit beteiligt.
  • Verkehrsunfälle, Sport-, Reit- und Arbeitsunfälle
  • pathologische Frakturen durch Zysten, Tumoren, Metastasen, Osteomyelitis

Frakturklassifikationen

Klassifikation nach dem Gebisszustand

Im Wesentlichen werden dabei drei Hauptgruppen unterschieden, die sich auf den Gebisszustand beziehen:
  1. Frakturen im bezahnten Kiefer
  2. Frakturen im zahnlosen oder zahnarmen Kiefer
  3. Frakturen im Milch- oder Wechselgebiss

Klassifikation nach der Lokalisation

Frakturen innerhalb der Zahnreihen
  • Mediane Fraktur
  • Paramediane Fraktur
  • Fraktur in der Eckzahnregion
  • Fraktur im Seitenzahnbereich
Frakturen außerhalb der Zahnreihen
  • Kieferwinkelfrakturen
  • Fraktur des aufsteigenden Astes
  • Fraktur des Gelenkfortsatzes
  • Fraktur des Muskelfortsatzes
Mehrfachbrüche

Häufig werden am Unterkiefer Frakturen in Kombination mit anderen Frakturenlinien vorgefunden, sodass bei Diagnose der einen Fraktur grundsätzlich auch auf die entsprechende Kombinationsfraktur untersucht werden sollte.

Als typisch haben sich folgende Frakturkombinationen herausgestellt:
  1. Kinnregion und (beide) Gelenkfortsätze
  2. Eckzahnbereich und Gelenkfortsatz der kontralateralen Seite
  3. doppelseitige Kinnfraktur
  4. Fraktur beider Gelenkfortsätze
  5. Kieferwinkelfraktur beidseits, besonders bei Vorliegen von retinierten Weisheitszähnen
Besonders beim Vorliegen von Kinnverletzungen wie submentalen Prellmarken und Weichteilverletzungen oder Hämatomen muss eine Gelenkbeteiligung angenommen bzw. ausgeschlossen werden.

Diagnostik

Bei Verdacht auf eine Fraktur werden nach einer traumatischen Einwirkung zuerst mögliche Fremdkörper aus der Mundhöhle entfernt (Prothesen, Nahrungsmittel, Erbrochenes, herausgebrochene Füllungen und Zahnfragmente).

Basisdiagnostik
  • Inspektion
    - Intraorale Stufenbildungen und Okklusionsstörungen, Gingivaeinrisse
    - Eingeschränkte Mundöffnung oder Kieferklemme
  • Palpation auf einzelne Fragmente
  • Sensibilitätsprobe der Zähne
  • Sensibilitätsprüfung N. mentalis
  • Funktionsprüfung N. facialis
  • Röntgendiagnostik in 2 Ebenen
    Die Röntgendiagnostik dient der genauen Lokalisation der Fraktur sowie der Beurteilung der Dislokation der Fragmente. Hierzu sind Aufnahmen in zwei, möglichst senkrecht zueinander stehenden Ebenen notwendig.
    (OPG, Clementschitsch, Kieferwinkel seitlich, Schädel p.a., Schädel seitlich, Aufbiss)
Weiterführende Diagnostik

Computertomographie bei Mehrstückfrakturen bzw. Polytrauma

Bei Frakturverdacht sollte eine rasche Überweisung zur Frakturversorgung erfolgen.
Der Patient sollte darauf aufmerksam gemacht werden, bis zur Vorstellung in der Klinik nicht zu essen, zu trinken oder zu rauchen.
Meist muß die Behandlung stationär durchgeführt werden. Eine ambulante Behandlung ist selten indiziert.

Therapieindikationen

Notfälle

Blutung in den Mundboden #pic#
Atemwegsverlegung bei Dislokation des Unterkiefers nach distal.
Besonders bei Vorliegen einer beidseitigen Kieferwinkelfraktur besteht eine Instabilität des Mundbodens mit Dorsalverlagerung der Zunge.
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Verschlucken/Aspiration von Fremdkörpern im Rahmen des traumatischen Ereignisses
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OPG #pic#
offene Unterkieferfraktur #pic#

Bei der Indikation zur Therapie muss zwischen geschlossenen und offenen Frakturen unterschieden werden, eine Perforation der Mundschleimhaut als auch das Vorhandensein von Zähnen im Bruchspalt werden berücksichtigt.
Offene Frakturen sollten zur Infektionsprophylaxe einer raschen Therapie zugeführt werden.
Therapieindikationen
  • klinischer Hinweis auf eine Unterkieferfraktur
  • röntgenologischer Nachweis einer Unterkieferfraktur
  • Okklusionsstörung
  • Dysfunktion
  • sensorische und/oder motorische Nervenfunktionsstörung (N. alveolaris inferior, N. mentalis, N. lingualis, N. facialis)
  • mobile Frakturfragmente
  • Kontinuitätsdefekt
  • Fremdkörpereinlagerung
  • Verletzungen von Weichgeweben oder weiterer Knochenstrukturen
  • starke Blutung
Nicht jede Fraktur muss generell versorgt werden. Unvollständige Frakturen bzw. Fissuren und Grünholzfrakturen als auch nicht dislozierte, geschlossene Frakturen außerhalb der Zahnreihe (Frakturen des Ramus mandibulae, Gelenkfortsatzes und zahnlosen Unterkiefers, Processus muscularis) können unter Umständen einer sogenannten Spontanheilung überlassen werden. In dieser Zeit darf der Patient nur flüssige oder pürierte Kost zu sich nehmen und bedarf einer engmaschigen Kontrolle, bis der Frakturspalt knöchern konsolidiert ist. Dieses Vorgehen kann aus forensischer Sicht problematisch sein und setzt erhebliche Disziplin und Compliance seitens des Patienten voraus.

Therapiezeitpunkt

Die Therapie aller Unterkieferfrakturen sollte, wenn möglich, während der ersten 12 Stunden nach dem Unfall stattfinden. Es gibt verschiedene Gründe für diese Empfehlung, insbesondere die Korrelation zwischen verzögerter Therapie und Zunahme der Infektionsrate (Gerlach und Pape 1988).