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| IMC Wiki | Relative und absolute Trockenlegung

Relative und absolute Trockenlegung

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Bei einer Vielzahl von zahnärztlichen Behandlungsmaßnahmen muss das Arbeitsfeld (die betreffenden Zähne) trocken gehalten werden.
Dabei unterscheidet man eine relative von einer absoluten Trockenlegung.

Vor folgenden Maßnahmen erfolgt eine relative Trockenlegung:
  • Befund
  • Diagnostik
  • Kariesexkavation in den äußeren Zweidrittel des Dentins
  • Füllungstherapie mit Amalgam
  • vor Abformungen
Vor folgenden Maßnahmen ist eine absolute Trockenlegung erforderlich:
  • Kariesexkavation im letzten Dentindrittel
  • indirekte und direkte Überkappung
  • Wurzelkanalbehandlung
  • Füllungstherapie mit Kompositen
Hierzu werden einzelne Zähne oder auch ganze Gebissabschnitte für einen bestimmten Zeitraum mit unterschiedlichen Hilfsmitteln vor Speichel geschützt.
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Relative Trockenlegung

Eine relative Trockenlegung erfolgt bei jedem Behandlungsschritt, es sei denn, es wird mit Wasserkühlung gearbeitet (Kavitätenpräparation, Entfernung von Füllungen, Politur, Einschleifen usw.).

Benötigte Instrumente und Materialien

Zur relativen Trockenlegung stehen folgende Materialien zur Verfügung:
  • Watterollen
  • Parotisrollen
    (längere Watterollen mit Drahtkern, die in Form gebogen werden können,
    Anwendung in der Umschlagfalte des Ober- und Unterkiefers gleichzeitig oder im Ober- bzw. Unterkiefer beidseitig)
  • Parotispflaster
    (flacher, einseitig mit Folie belegter Zellstofftupfer für die Wange, dieser soll Speichel aus der Ohrspeicheldrüse (Glandula parotis) aufnehmen; die mit Folie abgedeckte Seite zeigt zur Zahnreihe)
  • Kompressionshütchen
    (dienen der gezielten Trockenhaltung von präparierten Zahnstümpfen vor der Abformung)
  • spezielle Wangen- und Zungenhalter

Behandlung im Überblick

Die gängigste Methode der relativen Trockenhaltung erfolgt mittels Watterollen und Sauger.

Oberkiefer
  • im Vestibulum (Umschlagfalte) des Oberkiefers auf der Seite, die behandelt wird.
Unterkiefer
  • im Vestibulum (Umschlagfalte) des Unterkiefers auf der Seite, die behandelt wird
    sowie immer zusätzlich im seitengleichen Sublingualraum (unter der Zunge).
Zusätzlich muss immer Speichel und ggf. Kühlwasser abgesaugt werden.
Sinnvollerweise wird dazu kleiner und großer Speichelsauger benutzt. Mit dem großen Speichelsauger hält die ZFA Weichteile (Zunge, Wange, Lippen) ab.
Mit dem kleinen Speichelsauger wird in der Umschlagfalte und unter der Zunge gesaugt.

Kapazität der Watterollen
Die Watterollen saugen den sich langsam sammelnden Speichel auf. Die Dauer der effektiven Trockenlegung ist zum einen abhängig von der Größe und Dicke der gewählten Watterollen, zum anderen aber auch von der Stärke des Speichelflusses des jeweiligen Patienten.
Wenn das Fassungsvermögen der Watterollen erschöpft ist (Speichelaufnahme ca. 2 ml), muss rechtzeitig ein Austausch der Watterollen vorgenommen werden, um eine "Überflutung" des Operationsfeldes zu vermeiden.
Sind längere Behandlungseingriffe vorgesehen oder ist eine effektivere Trockenhaltung des Operationsfeldes notwendig, so ist die Trockenlegung mit Watterollen nicht mehr ausreichend. In solchen Fällen ist die absolute Trockenlegung mit Kofferdam angezeigt.

Vermeiden einer Watterollenstomatitis
Watterollen neigen, insbesondere bei Patienten mit geringem Speichelfluss, zum Verkleben mit der Schleimhaut.
Werden solche verklebten Watterollen ohne weitere Maßnahmen entfernt, kann es zum schmerzhaften Einreißen der oberflächlichen Schleimhautschichten und zu einer späteren Entzündung (sog. "Watterollenstomatitis") kommen.
Daher sollten vor dem Herausnehmen verklebte Watterollen reichlich angefeuchtet werden (Wasserspray), sodass sie sich leicht von der Mundschleimhaut ablösen lassen.

Absolute Trockenlegung

Die absolute Trockenlegung bedeutet eine vollständige Abschirmung des Arbeitsfeldes von Flüssigkeiten mit einem Gummituch (Kofferdam).
In diesen auch als Spanngummi bezeichneten Kofferdam werden mit einer Lochzange Öffnungen eingestanzt, sodass das Gummi über die zu behandelnden Zähne gezogen werden kann. Der Kofferdam umschließt die zu behandelnden Zähne am Zahnhals, so dass die Zahnkrone von der sonstigen Mundhöhle vollständig isoliert ist.
Die einzelnen Techniken und Vorgehensweisen zum Anlegen von Kofferdam werden am besten nach einer praktischen Demonstration eingeübt. Zunächst scheint die Technik hierzu aufwendig und kompliziert. Nach der Überwindung der anfänglichen Schwierigkeiten ist der Kofferdam für den Zahnarzt eine geschätzte Arbeitserleichterung mit zahlreichen Vorteilen. Der benötigte Zeitaufwand für das Legen von Kofferdam ist hierbei eine Frage der regelmäßigen Anwendung, der Übung und des Geschicks.

Indikationen zum Einsatz von Kofferdam

  • Endodontie
  • indirekte und direkte Überkappung
  • Kompositfüllungen
  • Einsetzen keramischer Restaurationen
  • Goldhämmerfüllungen
  • Bleichen vitaler und avitaler Zähne

Gründe für die Verwendung von Kofferdam

  • Feuchtigkeitsempfindlichkeit des Schmelzätzmusters nach der Säureätzung bei Kompositfüllungen
  • hohe technische Sensitivität der modernen Füllungsmaterialien (Komposite, Dentinadhäsiven) bei der Verarbeitung, d. h. hohe Empfindlichkeit gegenüber Speichel, Sulkusflüssigkeit, Blut etc.
  • Vermeidung der Verschleppung von Keimen aus der Mundhöhle bei der Wurzelkanalbehandlung und bei der indirekten oder direkten Überkappung (Asepsis).
    Mikroorganismen aus der Mundhöhle können zu einer Infektion der Pulpa oder des periapikalen Gewebes führen oder bestehende Entzündungen unterhalten, so dass endodontische Maßnahmen erfolglos bleiben.
  • Schutz gegen Einatmen oder Verschlucken von Fremdkörpern
  • besserer Zugang, bessere Sicht, effektivere Behandlung
  • Zeitersparnis (keine Sicherung von endodontische Kleininstrumentarium notwendig, Wechseln von Watterollen entfällt)
  • Schutz der Gingiva vor Kontakt mit Kompositmaterial oder Dentinadhäsiven; hohes Allergiesensibilisierungspotential neuer, häufig leicht flüchtiger Werkstoffe
  • Schutz vor Säuren (z. B. 37%ige Phosphorsäure) bei der Anwendung der Säure-Ätz-Technik
  • Schutz der Gingiva vor Bleichmaterialien
  • Schutz des Behandlungsteams vor kontaminierten, potentiell infektiösen Aerosolen (Infektionsschutz)

Benötigte Instrumente und Materialien

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  • Kofferdam (Gummituch)
  • Lochschablone
    (zum Anzeichnen der zu stanzenden Zähne)
  • Kofferdamlochzange
    (beweglicher Stanzkolben mit drehbarer Scheibe für verschiedene Lochgrößen, von klein: Frontzahn bis groß: Molar)
  • Kofferdamklammer
  • Klammerspannzange
    (zum Anlegen der Kofferdamklammer)
  • Kofferdamspannrahmen (U-förmig)
    (oder Kofferdamgewichte und Kofferdamspanngummi oder Pflaster)
  • Zahnseide

Kofferdamgummi

Kofferdamgummi wird in verschiedenen Stärken (fein, mittel, stark) und Größen (dem Zweck der individuellen Technik entsprechend) geliefert.
Je dicker das Gummi ist, desto reißfester ist es, aber desto schwieriger lässt es sich auch über die Zähne ziehen und in den Approximalraum einbringen.
Durch Vordehnen des Kofferdamgummis vor dem Anlegen lässt sich das Risiko des Einreißen während des Anlegens reduzieren.
Kofferdamgummi ist entweder fertig vorgeschnitten als ca. 15x15 cm große "Blätter" oder auf einer Rolle zum Selberschneiden erhältlich.
Die Farbe des Gummis ist von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich.
Eine Seite des Kofferdamgummis ist gepudert, die andere puderfrei (glatt). Im Munde des Patienten wird die glatte (ungepuderte) Seite über die Zähne gestülpt bzw. weist zum Mundraum und die gepuderte Seite weist nach außen.
Die Lagerfähigkeit von Kofferdamgummi wird durch Aufbewahrung im Kühlschrank erhöht.

Kofferdamklammern

Kofferdamklammern werden von verschieden Herstellern je nach Zahngruppen, -formen, -größen etc. in einer Fülle von Arten angeboten. Grundsätzlich kann man Kofferdamklammer unterscheiden für:
  • obere und untere Frontzähne (I.+III. Quadrant, II.+IV. Quadrant)
  • obere und untere Prämolaren (I.+III. Quadrant, II.+IV. Quadrant)
  • obere und untere Molaren (I.+III. Quadrant, II.+IV. Quadrant)
  • obere Molaren (I.+II. Quadrant)
  • untere Molaren (III.+IV. Quadrant)
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Beispiele für einige Klammerarten:
Nr. 00 für kleine Prämolaren und Frontzähne
Nr. 0 für Prämolaren mit dünnem Zahnhals
Nr. 1 Standardklammer mit tiefen Backen, für untere Prämolaren
Nr. 2 untere Prämolöarenklammer mit flachen Backen, für Milchmolaren
Nr. 7 untere Molarenklammer, für quadratische Zahnformen (universal)
Nr. 8 für runde, obere Molaren (universal)
Nr. 8A für obere und untere Molarenwurzeln, zum Anlegen unterhalb des Ginigivarandes
Nr. 9 Bukkalklammer für Frontzähne
Nr. 14A für runde, schräg gestellte, unregelmäßig geformte Zähne
Nr. 212 Frontzahn-Cervixklammer für labiale Kavitäten, Zahnhalsfüllungen

Daneben gibt es spezielle Klammern für Wurzelreste und Zahnhalsfüllungen (z.B. Hatch-Clamp®).
In einigen klinischen Fällen kann auf die Verwendung von Kofferdamklammern verzichtet werden. Stattdessen wird das Kofferdamgummi mit Zahnseide, zurechtgeschnittenen Kofferdamstreifen oder speziellen "Stabilisierungsschnüren" (Produktbeispiel: Wedjets®) befestigt.

Behandlung im Überblick

  • Kofferdam auswählen
  • Kofferdam auf Lochschablone legen
  • Anzeichnen der Zähne, die unter Kofferdam behandelt werden sollen
  • Stanzen der der Zahngröße entsprechenden Löcher mit der Lochzange
  • passende Kofferdamklammer auswählen
  • Kofferdamklammer in den Kofferdam einspannen
  • Klammer mit Klammerzange auf den entsprechenden Zahn aufsetzen
    (die Klammer wird an dem distalsten Zahn in der zu behandelnden Zahnreihe befestigt)
  • (gelochten) Kofferdam über die mesialen Nachbarzähne stülpen
  • am mesialsten Zahn Zahnseide durchfädeln und liegen lassen;
    der Kofferdam wird so mesial fixiert
  • Kofferdam mittels Spannrahmen aufspannen
  • Kofferdamgummi in den übrigen Approximalräumen mit Zahnseide nach apikal drücken
  • Kofferdamgummi mittels Luftpüster (in Zahnachse blasen) und Heidemannspatel am Zahnhals umbördeln
  • Kontrolle der Dichtigkeit
  • ggf. (z. B. bei Wurzelkanalbehandlungen) Zähne und Kofferdam mittels Alkohol desinfizieren
Bei Bedarf gleichzeitig mit kleinem und ggf. großem Speichelsauger absaugen, auch unter dem Kofferdam.
Vorsicht bei Patienten mit Latexallergie! Bei bekannter oder vermuteter Allergie auf Latex muss keinesfalls auf die Anwendung von Kofferdam verzichtet werden. Hier stellen Kofferdam auf Silikonbasis eine gute Alternative dar. In dem Zusammenhang sei daran erinnert, dass bei Patienten mit Latexallergie nicht nur der Kofferdam, sondern auch die Schutzhandschuhe des zahnärztlichen Personals aus latexfreien Materialien hergestellt sein müssen.