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Speicheldrüsenpathologie: allgemein

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Speicheldrüsenerkrankungen stellen einen wichtigen Aspekt differentialdiagnostischer Überlegungen bei orofazialen Schwellungen dar. Neben organspezifischen Erkrankungen wie z. B. Entzündungen und Tumoren sind die Speicheldrüsen bei verschiedenen Immunkrankheiten, metabolischen, neurologischen und auch genetischen Erkrankungen sowie hormonalen Dysfunktionen beteiligt. Wegen der Komplexität der Speicheldrüsenpathologie werden hier die für praktizierende Zahnärzte relevantesten Erkrankungen exemplarisch aufgeführt. Eine ausführlichere Darstellung findet der interessierte Leser in Lehrbüchern und Monographien zum Thema.
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Anatomische und physiologische Grundlagen

Anatomie der Speicheldrüsen

Es wird zwischen den großen, paarig angelegten Speicheldrüsen (Glandula parotis, Glandula submandibularis und Glandula sublingualis) und den ca. 700-1000 kleinen, solitären Speicheldrüsen, die in der Lippen-, Wangen- und Rachenschleimhaut verteilt sind, unterschieden. Allen ist das histologische Bauprinzip mit seinen kombinierten duktulo-azinären Einheiten gemeinsam.

Je nach Aufbau der Azini (Ort der Speichelproduktion) unterscheidet man seröse [Gl. parotis, posteriore seröse Drüsen der Zunge (von Ebner)], seromuköse [Gl. submandibularis, Gl. sublingualis, anteriore gemischte Drüsen der Zunge (Blandin-Nuhn) und kleine Speicheldrüsen der Lippe und Wange] und muköse Speicheldrüsen [im Gaumen, posteriore muköse Drüsen der Zunge (Weber)]. Ein wichtiges histologisches Element stellen die myoepithelialen Zellen dar, die kontraktile Eigenschaften haben.

Physiologie der Speichelproduktion

Die Speichelproduktion unterliegt einer Vielzahl von Faktoren, die sowohl die Menge als auch die Zusammensetzung des Speichels beeinflussen. Das durchschnittliche Sekretionsvolumen umfasst 1,5 l pro Tag. Neben Elektrolyten, Enzymen (wie z. B. α-Amylase usw.) enthält der Speichel Immunglobuline, vor allem IgA.

Die Hauptfunktionen des Speichels betreffen den Nahrungstransport und die Verdauung sowie den Schutz der oralen Schleimhaut und des Zahnsystems insbesondere vor Infektionen. Außerdem verhindert der Speichelfluss Parodontitis und Karies. Im Alter kommt es zu einer Reduktion der Speichelproduktion und zu Veränderung der Speichelqualität.

Störungen der Speichelsekretion

Eine zu geringe Speichelproduktion oder atypische Zusammensetzung des Speichels, vor allem bei Erkrankungen der großen Speicheldrüsen, und daraus folgende Entleerungsstörungen werden allgemein als Dyschylie bezeichnet.

Eine erhöhte Speichelsekretion (Hypersalivation, Ptyalismus oder Sialorrhoe) kommt u. a. bei Sialadenitis, nach Zahnextraktion und bei psychiatrischen und neurologischen Erkrankungen (Morbus Parkinson, Schizophrenie, Epilepsie, Quecksilberintoxikation) vor.

Eine Verminderung der Speichelsekretion wird als Hyposialie, bei vollkommenem Sistieren auch als Asialie bezeichnet. Die Folge ist Mundtrockenheit (Xerostomie). Speichelmangel begünstigt die Bildung von Steinen (Sialolithiasis) und Entzündungen (Sialadenitis) in den Speicheldrüsen. Weitere Komplikationen sind Infektionen der Mundhöhle, Parodontose und Karies.

Einige Ursachen der Xerostomie

  • Störungen der zentralen Erregungsleitung (z. B. Depressionen)
  • Drogenabusus
  • Medikamente (siehe unten)
  • Mangelernährung
  • Radiotherapie
  • Autoimmunkrankheiten
  • verschiedene Formen der Anämie
  • starke Wasserverluste
  • hochfieberhafte Erkrankungen
  • Fehlbildungen der Speicheldrüsen

Medikamente mit Einfluss auf die Speichelsekretion

  • Analgetika
  • Appetitzügler
  • Anti-Akne-Präparate
  • Antiarthritika
  • Anticholinergika und Spasmolytika
  • Antidiarrhoika
  • Antiemetika
  • Antihistaminika
  • Antihypertonika
  • Anti-Parkinson-Medikamente
  • Diuretika
  • Psychopharmaka
  • Antipsychotika

Klinische Symptome bei Xerostomie

  • Rötung und Atrophie der Mundschleimhaut
  • Karies
  • Parodontose
  • Zungenbrennen (Glossodynie; Bestandteil des "burning mouth" Syndroms)
  • Geschmackseinschränkungen
  • Kau- und Schluckbeschwerden

Veränderungen der Speichelsekretion bei systemischen Erkrankungen

  • Immunkrankheiten
    - Sjögren-Syndrom
    - Rheumatoide Arthritis
    - Graft-versus-host-Reaktion
    - Sarkoidose
    - Myasthenia gravis
    - Lupus erythematosus

  • metabolische Erkrankungen
    - chronischer Alkoholismus
    - Leberzirrhose
    - Hyperlipidämie
    - Mangelernährung

  • hormonale Dysfunktionen
    - Diabetes mellitus
    - Thyreoiditis
    - Akromegalie
    - Nebennierenerkrankungen

  • neurologische-psychiatrische Erkrankungen
    - Morbus Parkinson
    - Apoplexie

  • sonstiges
    - Mukoviszidose (zystische Fibrose)