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| IMC Wiki | Le Fort III-Frakturen

Le Fort III-Frakturen

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Einführung

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Das Mittelgesicht umfasst das Viszerokranium mit Ausnahme des Unterkiefers. Kennzeichnend für seinen Aufbau ist ein Hohlraumsystem, das durch drei Knochentrajektorien gegen die Schädelbasis abgestützt wird.

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Die Le Fort III-Fraktur wird als zentrolaterale Fraktur bezeichnet. Die Bruchlinie verläuft durch die laterale Orbitawand, den Orbitaboden, die mediane Orbitawand, die Rhinobasis auf die Gegenseite sowie durch die Jochbögen.

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Es sind Kombinationen mit anderen Frakturverläufen sowie Mehrstückfrakturen möglich. Man kann eine kraniofaziale Absprengung (basale, pyramidale oder hohe Absprengung) von nicht klassifizierbaren Frakturen (Trümmerfrakturen, Defektfrakturen) unterscheiden.
Die Le Fort III-Fraktur wird durch vollständige Abtrennung des gesamten knöchernen Gesichtes von der Schädelbasis unter Einbeziehung des Nasengerüstes charakterisiert.

Therapieziele

  • Schmerzbeseitigung
  • Wiederherstellung der Okklusion
  • Wiederherstellung der Artikulation
  • Wiederherstellung der Kontinuität der Mittelgesichtspfeiler
  • Repositionierung und Fixation von dislozierten Knochenfragmenten
  • Wiederherstellung der Gesichtsform
  • Wiederherstellung der Kaufunktion
  • Wiederherstellung der Funktion der Nasennebenhöhlen
  • Wiederherstellung der Form und Funktion der Orbita
  • Wiederherstellung der Augenmotilität
  • Wiederherstellung der Form und Funktion des Ductus nasolacrimalis
  • Wiederherstellung der Form und Funktion der Nase
  • Erhalt und Wiederherstellung der Funktion der motorischen und sensiblen Nerven
  • Erhalt der Zähne und knöcherner Strukturen

Diagnose

  • Stufenbildung am Jochbogen, Nasenbein, Jochbein
  • Abflachung der Wangenregion
  • Fehlocclusion (frontal offener Biss, Dorsalverlagerung)

Diagnostik

Klinische Untersuchungen

Inspektion

Symptome
  • Brillenhämatom
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  • Hyposphagma
  • extraorale und intraorale Schwellungen
  • offener Biss
  • verlängertes Mittelgesicht
  • Dish-face
Palpation
  • Stufenbildung am lateralen Orbitarand, Nasenwurzel, Jochbogen, Jochbein
  • abnorme Beweglichkeit des gesamten Gesichtes
Funktionsprüfungen
  • Nervus olfactorius, Nervus infraorbitalis und supraorbitalis, Nervus facialis
  • Augenmotilitätsprüfung und Diplopie
  • Artikulation, Mundöffnung, Vor- und Seitschub
  • Vitalitätsprobe der Zähne und Zahnstatus
  • Luftdurchlässigkeit der Nase
  • Rhinoliquorrhö

Weiterführende Untersuchungen

  • augenärztliche Untersuchung
  • neurologische Untersuchung
  • laborchemische Untersuchung auf Liquorrhö

Röntgenuntersuchungen in zwei Ebenen

Standard
  • NNH
  • Schädel seitlich
  • am besten FRS
Erweitert
  • CT
  • evtl. 3D-Rekonstruktion

Therapieindikation

  • starke Blutungen aus Mund und Nase
  • dislozierte Fraktur
  • Funktionsstörungen
  • Gesichtsdeformität
  • Liquorrhö

Therapie

Kraniofaziale Aufhängung und IMF nur als Notfallmaßnahme bei starken Blutungen in Verbindung mit Belloque-Tamponade, wenn definitive Versorgung aus allgemeinmedizinischen Gründen nicht möglich ist.

Konservative Therapie

Eine ausschließlich konservative Therapie kann nur in Fällen angewandt werden, bei denen keine oder nur eine unwesentliche Dislokation an den Gesichtspfeilern besteht und bei sehr alten Patienten.
  • Verlaufsbeobachtung bei diskreter Dislokation der Fraktur
  • sbschwellende Maßnahmen

Operative Therapie

Die chirurgische Frakturversorgung ist immer bei dislozierten Frakturen und/oder entsprechenden Funktionsstörungen anzustreben.
  • Miniplattenosteosynthese
  • intermaxilläre Fixation
  • Orbitabodenrekonstruktion
  • Dakryozystorhinotomie bei Verletzungen des Ductus nasolacrimalis
  • Reattachment und Reparatur des Lidbandes
  • ggf. Verschluß von Durafisteln
  • Nasenrekonstruktion
  • ggf. Knochenersatz

Komplikationen

  • Pseudarthrose
  • Gesichtsdeformität
  • skelettale Deformität
  • Okklusionsstörungen und/oder Kaustörungen
  • Enophthalmus
  • Exophthalmus
  • Augenmotilitätsstörungen
  • Amaurose
  • Bulbusdislokation
  • Luftpassagebehinderung
  • Störung der Pneumatisation der Nasennebenhöhlen
  • Funktionsstörung des Ductus nasolacrimalis
  • Septumhämatom
  • chronische Schmerzen
  • chronische Infektion
  • chronische neurologische Funktionsstörungen (motorisch und/oder sensorisch)
  • chronsiche oroantrale und/oder oronasale Fistel
  • Meningitis, Meningoenzephalitis

Ergänzende Maßnahmen

  • Schmerztherapie
  • evtl. Magensonde
  • ggf. Antibiotikaprophylaxe
  • Sinus-frontalis-Drainage bei ausgedehnten Sinus-frontalis-Verletzungen

Risikofaktoren

  • Weichgewebedefekt
  • Verlust von Knochenfragmenten
  • Grad der Frakturdislokation
  • Luftpassagebehinderung
  • Hämorrhagie
  • Stück- und/oder Trümmerfrakturen
  • gestörte Blutversorgung der Fragmente und bedeckender Weichgewebe
  • prätraumatisch bestehende Okklusionsstörung
  • Infektion
  • begleitende Verletzung im Kiefer- und Gesichtsbereich
  • Dauer bis zur Frakturversorgung
  • angeborene kraniofaciale Deformität

Empfehlung

Zentrolaterale Mittelgesichtsfrakturen bedürfen überwiegend der stationären Therapie. Bei fachübergreifenden Verletzungen sind die entsprechenden Fachdisziplinen in Behandlungsplanung und Behandlung mit einzubeziehen.