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Unterfüllungszemente 2 - Glasionomerzemente

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Glasionomerzemente (GIZ)

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GIZ können als Weiterentwicklung der Carboxylatzemente bezeichnet werden.

Das Pulver besteht hauptsächlich aus:
  • Calcium-Aluminium-Silikat-Glas (Flussspat, Korund, Quarz, Aluminiumphosphat, Kryolit, Aluminiumfluorid)
Die Flüssigkeit besteht aus:
  • Polyacrylsäure und
  • einer Lösung eines Ko-Polymers aus Acryl- und Itakonsäure (Poly-(Acryl-Malein-) Säure).
Große Vorteile der GIZ sind:
  • die Haftung an Zahnhartsubstanz (an Schmelz etwas besser als an Dentin) und
  • das zahnfarbene Aussehen.
Man kann die Glasionomerzemente wie folgt klassifizieren:
Typ I: Befestigungsmaterial
Typ II: Füllungs- und Aufbaumaterial
Typ III: schnell härtende Unterfüllungsmaterialien

Verarbeitung von GIZ

  • Flüssigkeit auf die Platte tropfen und die Flasche sofort wieder verschließen!
  • Mit dem Dosierlöffel mehr als ausreichend Pulver entnehmen und nicht zu dicht neben der Flüssigkeit in kleinen Portionen lagern:
    • das Mischungsverhältnis Pulver:Flüssigkeit beträgt etwa 3:1,
    • die Pulverflasche sofort wieder verschließen.
  • Das Pulver nach und nach in kleinen Portionen langsam mit der Flüssigkeit vermischen:
    • das Gemisch immer wieder breit ausstreichen, so wird die Reaktionswärme abgeleitet.
    • Die Anmischzeit beträgt etwa 1 Minute.
    • Nie zuviel Pulver auf einmal einmischen, da dies die Abbindung beschleunigt.
    • Nie zu schnell anmischen, da auch dies die Abbindung beschleunigt.
    • Stets muss das Pulver der Flüssigkeit beigemischt werden, nie umgekehrt! Flüssigkeit darf nie nachträglich einer zu dick geratenen Zementmischung zugefügt werden.
    • Nie darf die erstrebte Konsistenz durch "Anziehen lassen" einer dünnen Mischung abgewartet werden.
  • Ist der Zement in die Kavität eingebracht, bindet er durch die Körpertemperatur rasch ab, was auch erwünscht ist, um schnell weiter arbeiten zu können.
Folgende Merkmale sprechen für eine richtige Konsistenz:
  • Der GIZ ist dünnflüssig, haftet aber am Zementspatel.
  • Der GIZ lässt sich mit dem Zementspatel ca. 1 cm von der Glasplatte senkrecht nach oben ziehen, ehe der Zementfilm reißt.
  • Als Unterfüllung sollte GIZ marzipanartig sein.

Kapselsysteme

GIZ sind empfindlich hinsichtlich der Dosierung von Pulver und Flüssigkeit.
Daher wurden GIZ in Kapselsystemen entwickelt, die im Mischgerät automatisch angemischt werden (Produktbeispiel: Ketac Fil).
Der Vorteil liegt in der einfacheren Handhabung mit einem konstanten Mischungsverhältnis, d. h. der Zement hat immer die optimale Konsistenz.
Einziger Nachteil sind die höheren Kosten.

Weitere Arten von GIZ

Wasserhärtende GIZ
Um die Verarbeitung zu vereinfachen, wird Polycarbonsäure im Vakuum gefriergetrocknet und dem Pulver beigemischt. Als Flüssigkeit wird Wasser oder eine wässrige Weinsäurelösung zugefügt.
Produktbeispiel: Aqua Ionobond, Ketac Bond, Cembase

Lichthärtende GIZ
Um die Wartezeit bis zum Abbinden des GIZ abzukürzen, wurden lichthärtende Präparate entwickelt. Die Abbindung erfolgt z. T. wie bei konventionellem GIZ oder durch eine lichtinduzierte Polymerisation der Kunststoffkomponente.
Einige Präparate enthalten hauptsächlich polymerisierbare Kunststoffe mit Zusatz von Silikatgläsern und Röntgenkontrastmittel. Demnach handelt es sich bei diesen Zementen eher um GIZ-gefüllte Komposite als um lichthärtende GIZ. Eine Weiterentwicklung als Füllungswerkstoff stellen die Kompomere dar.
Produktbeispiel: Ionoseal, Vitrebond, Vitremer, Photac Fil

Cermet-GIZ (Cermet = Ceramic Metall)
Dem GIZ werden Metallpartikel (z. B. 40 %Silber) zugegeben. Diese Zemente wurden speziell als Aufbau- und Füllungsmaterial entwickelt. Der Zement wird jedoch durch die Zugabe von Silber spröder. Es soll zu Rissbildungen entlang der Silberpartikel kommen. Die Haftung an Schmelz und Dentin ist geringer als bei herkömmlichen GIZ.
Produktbeispiel: Ketac Silver

Legen einer provisorischen Zementfüllung

Provisorische Füllungen bestehen zumeist aus Phosphat- oder Glasionomerzement, z. T. werden auch Glasionomerzemente in Kapselform (Produktbeispiel: Ketac Cem, Ketac Molar) verwendet.

Material

  • 2 ml Spritze mit Lokalanästhetikum, lange Injektionskanüle für die Leitungsanästhesie, kurze für Infiltrationsanästhesie
  • rotes Schnellaufwinkelstück
  • rotierendes Instrumentarium:
    • birnenförmige Diamantschleifer, normale Körnung (ohne Farbmarkierung,
    • Feinkorn bzw. Feinstkorn (mit roter bzw. gelber Farbmarkierung)),
    • ggf. kreuzverzahntes Hartmetallinstrument (zum Entfernen alter Amalgamfüllungen)
  • grünes Winkelstück
  • Rosenbohrer in verschieden Größen (z. B. ISO 010 - 018)
  • Multifunktionsspritze (Luft/Wasser)
  • großer und kleiner Speichelsauger
  • Watterollen (ca. 10 Stück)
  • Wattepellets (ca. 5 Stück)
  • Dappenglas mit z. B. H2O2 (3%) oder CHX (2%) oder NaOCl (5%)
  • Phosphat- oder Glasionomerzement (bestehend aus Pulver und Flüssigkeit)
  • Glasplatte
  • Zementspatel
  • Zementstopfer
  • Matrizenhalter mit passendem Matrizenband (z. B. Tofflemire®)
  • passender Interdentalkeil aus Ahornholz, Größen farbcodiert,
    je zu füllenden Approximalraum wird ein Interdentalkeil benötigt
  • 2 Flaggenhalter mit Okklusionsfolie in verschiedenen Farben, z. B. schwarz und rot
  • Zahnseide

Behandlung im Überblick

  • Anästhesie
  • Entfernen der alten Füllung bzw. Primärpräparation
  • Kariesexkavation
  • Kavitätentoilette
  • Legen von Matrize und Interdentalkeil
  • Einbringen des Zements in die Kavität
  • Ausarbeitung der provisorischen Zementfüllung
  • Okklusionskontrolle