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| IMC Wiki | Pulpa, Anatomie und Physiologie

Pulpa, Anatomie und Physiologie

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Die gesunde Pulpa

Die Zahnpulpa bildet den Weichgewebskern des Zahnes und ihre Oberfläche entspricht in verkleinerter Form der äußeren Form des Zahnes.
Sie steht sowohl über das Foramen apicale als auch über laterale und interradikuläre Kanäle mit dem Parodontium und damit auch mit dem Gesamtorganismus in Verbindung.

Bei Erkrankungen der Pulpa ist daher häufig auch das Parodontium beteiligt. Desweiteren ist bei einer medikamentösen Behandlung der Pulpa oder des Pulpakavums stets, wenn auch im geringen Ausmaß, mit einer systemischen Verteilung des Medikaments oder seinen Bestandteilen zu rechnen.

Entwicklungsgeschichtlich, biologisch und funktionell stellt die Pulpa und das umgebende Dentin eine Einheit dar (Pulpa-Dentin-Einheit).
Die in den Dentinkanälchen gelegenen Odontoblastenfortsätze sind ein integrierter Bestandteil der Zahnpulpa. Die Odontoblastenfortsätze und die Pulpa bilden eine Einheit, welche zusammen mit dem Dentin umfassender als Endodont bezeichnet wird.

Topographie der Pulpakammer

Pulpakavum
Der Raum, den die Pulpa innerhalb der anatomischen Krone eines Zahnes einnimmt, wird als Pulpakavum bezeichnet.

Pulpakammer
Das Pulpakavum bildet zusammen mit den Wurzelkanälen die gesamte Pulpakammer.
Im Verlauf der Funktionsperiode verkleinert sich die Pulpakammer infolge der kontinuierlichen physiologischen Bildung von Sekundärdentin.

Wurzelkanalsystem
Die Form der Wurzelkanäle mit der enthaltenen Wurzelpulpa ist in aller Regel schwer vorhersagbar und vielgestaltig; zumeist liegen bizarr geformte Wurzelkanäle mit zahlreichen Ausbuchtungen und Verästelungen sowie unterschiedlich gestaltete Wurzelquerschnitte (sehr selten runde oder c-förmige, häufiger elliptische oder flach längliche) vor.
Aufgrund dieser äußerst unregelmäßigen Form der Wurzelkanäle, insbesondere bei Prämolaren und Molaren, wird häufig anstelle des Begriffs "Wurzelkanal" treffender vom "Wurzelkanalsystem" gesprochen.

Akzessorische Wurzelkanäle
Im Bereich der Wurzelspitze der Zähne liegt häufig eine deltaförmige Aufgabelung des Hauptwurzelkanals in mehrere kleine, akzessorische Kanälchen vor. Akzessorische Wurzelkanäle können wie folgt unterteilt werden:
  • Laterale oder Seitenkanäle
    Diese verlassen den Hauptkanal im koronalen oder mittleren Wurzeldrittel zumeist horizontal.
    Sie finden sich in etwa 70 % aller Zähne, wobei Frontzähne weniger Seitenkanäle als Molaren aufweisen.
  • Furkationskanäle
    Etwa 25-65 % aller bleibenden Molaren sowie ca. 20-35 % aller Milchmolaren zeigen durchgängige Kanälchen, die vom Boden des Kronenkavums #pic# in der Furkation münden #pic#.

Funktionen der Pulpa

Die Pulpa ist im Wesentlichen für die Vitalität und das Reaktionsvermögen des Dentins verantwortlich.
Daher verbleibt ein Teil der mesenchymalen Pulpazellen im Verlauf der Zahnentwicklung im undifferenzierten Zustand. Diese mesenchymalen Pulpazellen bilden somit ein Reservoir an pulpalen Ersatzzellen.

Folgende Aufgaben kommen einer vitalen und funktionstüchtigen Pulpa zu:
  • Ernährung der Odontoblasten
    Der Pulpa ernährt die Odontoblasten und über ihre Fortsätze auch das Dentin über den aus der Pulpa stammenden Dentinliquor, eine intratubuläre, extrazelluläre Flüssigkeit.
    Über den Dentinliquor steht das Dentin mit dem Organismus in Verbindung. Das Versorgungsgebiet der Pulpa ist etwa 30mal so groß wie der eigentliche Pulparaum.
  • Bildung der Primärdentins
    Die Pulpa bildet während der Zahnentwicklung das Primärdentin
  • Bildung des Sekundärdentins
    Auch nach Abschluss der Zahnentwicklung wird von den Odontoblasten kontinuierlich Sekundärdentin gebildet.
    Diese Dentinablagerung kann als eine Abwehrleistung der Pulpa gegenüber Attrition und auch Karies angesehen werden.
  • Differenzierung der Pulpazellen zu odontoblasten-ähnlichen Zellen
    Gehen einige Odontoblasten infolge eines Traumas oder einer iatrogenen Schädigung zugrunde, so kann eine Differenzierung der Pulpazellen zu odontoblasten-ähnlichen Zellen erfolgen, die nachfolgend zur Reparaturdentin- bzw. Reizdentinbildung fähig sind.
    Diese reparative Potenz der Pulpa ist für zahlreiche therapeutische Maßnahmen von außerordentlicher Bedeutung.
  • Bildung von Reizdentin
    Die wichtigste Funktion der Pulpa ist die Bildung von Reizdentin #pic# im Rahmen einer Abwehrleistung.
    Beim Reizdentin (irreguläres Dentin, irreguläres Sekundärdentin, Osteodentin, Reaktionsdentin, reparatives Dentin, Tertiärdentin) handelt es sich um Dentin, welches von primären Odontoblasten als Antwort auf eine Verletzung, z. B. eine tiefe Karies oder restaurative Maßnahmen, gebildet wird.
  • Bildung von peritubulärem Dentin
    Im Rahmen physiologischer Alterungsprozesse produzieren die Odontoblasten der Pulpa hoch mineralisiertes peritubuläres Dentin, welches das Lumen der Dentinkanälchen mit zunehmendem Lebensalter kontinuierlich verkleinert.
  • Signal- und Warnfunktion
    Die Pulpa stellt ein Signal- und Warnorgan vor thermischen, osmotischen, toxischen und infektiösen Reizen dar.
  • Auslösung einer Entzündungsreaktion
    Bei stärkeren thermischen, mechanischen, toxischen oder infektiösen Reizen antwortet die Pulpa mit einer akuten oder chronischen Entzündungsreaktion.
  • Alterungsprozesse
    Im Vergleich zur jugendlichen Pulpa #pic# nimmt mit zunehmendem Alter die Anzahl der Pulpazellen kontinuierlich ab und es bildet sich zunehmend ein Fasergeflecht aus.
    Diese Verringerung der Zellzahl hat eine direkte klinische Konsequenz, indem die reparative Potenz der Pulpa mit zunehmendem Zahnalter abnimmt.