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Kieferorthopädische Einschätzung von Dysgnathiegrad und Therapieerfolg (PAR-Index)

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PAR-Index, Richmond Manchester

Der PAR-Index ist ein Screening-Instrument, mit dem die Malokklusion zu jedem Zeitpunkt der Diagnostik/Therapie beurteilt werden kann. Er dient dazu, Malokklusionen objektiv 'messen' zu können und Therapieerfolge wissenschaftlich vergleichen zu können.

Der Index wurde von einer Gruppe von 10 erfahrenen Kieferorthopäden um Dr. Richmond (Manchester) in 6 Arbeitssitzungen formuliert. Über 200 prä- und post-therapeutische Gipsmodelle wurden in die Untersuchung einbezogen. Nach verschiedenen Kriterien werden Punktzahlen vergeben, deren Summe den Grad der Dysgnathie beschreibt. Je höher diese Punkzahl, desto stärker ist die Ausprägung der Malokklusion.

Grad der Malokklusion
Punktzahl 0 orthognathe Situation
Punktzahl selten über 50 hoher Grad der Irregularität

Die Differenz zwischen den Punktzahlen vor und nach der Behandlung zeigt den Grad der Verbesserung durch die kieferorthopädische Behandlung an.

Komponenten des PAR-Index
1. oberes und unteres anteriores Segment
2. linke und rechte bukkale Okklusion
3. sagittaler Überbiss (overjet)
4. vertikaler Überbiss (overbite)
5. Mittellinie

1. Oberes- und unteres anteriores Segment (Kontaktpunktverlagerungen)

  • Die anterioren Segmente von Ober- und Unterkiefer gehen in die Bewertung ein.
  • anteriores Segment (Def.): mesialer Kontaktpunkt 13 (bzw. 33) bis zum mesialen Kontaktpunkt von 23 (bzw. 43)
  • Beurteilungsmerkmale: Engstände, Lücken, impaktierte Zähne
  • Die Kontaktpunktverlagerungen werden als kürzeste Distanz zwischen den Kontaktpunkten der benachbarten Zähne parallel zur Okklusalebene gemessen.
  • je größer die Kontaktpunktverlagerungen desto größer die Punktzahl
  • Fehlende Zähne werden nicht berücksichtigt.
  • Impaktion eines Zahnes (Def.): Wenn der Abstand zwischen den beiden angrenzenden Zähnen des impaktierten Zahnes ≤ 4 mm ist, wird von einer 'Impaktion' ausgegangen.
Kontaktpunktverlagerungen Punktzahl
0 mm bis 1 mm 0
1,1 mm bis 2 mm 1
2,1 mm bis 4 mm 2
4,1 mm bis 8 mm 3
> 8 mm 4
impaktierte Zähne (Lücke ≤ 4 mm) 5

2. Linke und rechte bukkale Okklusion

  • die Okklusion der Zähne wird vom Eckzahn zum letzten Molaren beurteilt
  • Die Beurteilung der Okklusion erfolgt in allen drei Raumrichtungen.
  • Durchbrechende Zähne und Milchzähne in Infraokklusion werden nicht bewertet.
  • Für jede Seite, d. h. jeweils rechts und links, werden drei Werte ermittelt und diese 6 Werte addiert.
sagittal vertikal transversal
gute Okklusion (genau Klasse I, II oder III) 0 kein offener Biss 0 kein Kreuzbiss 0
weniger als eine halbe Prämolarenbreite Abweichung 1 lateral offener Biss (mindestens an 2 Zähnen mehr als 2 mm) 1 Kreuzbiss-Tendenz 1
mehr als eine halbe Prämolarenbreite Abweichung (Höcker-Höcker-Verzahnung) 2     Einzelzahn-Kreuzbissverzahnung 2
        mehr als ein Zahn im Kreuzbiss 3
        mehr als ein Zahn in bukkaler oder lingualer Nonokklusion 4

3. Sagittaler Überbiss (Overjet)

  • Alle Schneidezähne gehen in die Bewertung ein.
  • Die am weitesten anterior stehende Schneidekante wird bewertet.
  • Man misst mit dem Linial parallel zur Okklusionsebene (in Radiusrichtung bezogen auf den Zahnbogen).
  • Eckzahnkreuzbisse werden ebenfalls in der Overjet-Bewertung beurteilt.
  • Beispiel: Es ist nicht ungewöhnlich, zwei obere seitliche Schneidezähne im Kreuzbiss ebenso wie einen verstärkten sagittalen Überbiss der mittleren Schneidezähne zu sehen (in dieser Situation wäre z. B. bei einem Overjet von 4 mm der Punktwert 1 und für den Kreuzbiss 3 anzugeben, insgesamt 4 Punkte)
Sagittaler Überbiss (Overjet) Anteriorer Kreuzbiss
0-3 mm 0 kein Kreuzbiss 0
3,1-5 mm 1 ein oder mehrere Zähne im Kopfbiss 1
5,1-7 mm 2 ein einzelner Zahn im Kreuzbiss 2
7,1-9 mm 3 zwei Zähne im Kreuzbiss 3
größer als 9 mm 4 mehr als zwei Zähne im Kreuzbiss 4

4. Vertikaler Überbiss (Overbite)

  • Es wird der am stärksten ausgeprägte vertikale Überbiss der 4 Schneidezähne beurteilt.
  • Gemessen wird die 'Überdeckung' der unteren Schneidezähne bzw. der Grad des offenen Bisses (von OK-Schneidekante zu UK-Schneidekante).
Offener Biss Vertikaler Überbiss (Overbite)
kein offener Biss 0 ≤ einem Drittel 'Überdeckung' der unteren Schneidezähne 0
offener Biss ≤ 1 mm 1 zwischen 1 Drittel und 2 Drittel Überdeckung 1
offener Biss 1,1 mm bis 2 mm 2 mehr als 2 Drittel Überdeckung 2
offener Biss 2,1 mm bis 4 mm 3 Überdeckung der gesamten Zahnkronen oder mehr 3
offener Biss ≥ 4 mm 4    

5. Mittellinie

  • transversaler Abstand zwischen der oberen und unteren dentalen Mittellinie
Mittellinien-Beurteilung
Übereinstimmung oder bis zu 1/4 (der UK 1'er Breite) Abweichung (d. h. ca. ≤ 1,5 mm) 0
1/4 bis 1/2 (der UK 1'er Zahnbreite) Abweichung 1
mehr als eine halbe UK 1'er-Breite Abweichung 2

PAR-Index-Lineal



Quellen

  • Mischke, KL (o. J.), PAR-Index-Formular (PDF)