Das IMC WIKI ist umgezogen...

... zur OREC-Library. Um zur OREC-Library zu gelangen klicken sie auf den folgenden Link:


OREC-Library
| IMC Wiki | Epileptischer Anfall

Epileptischer Anfall

  • Start
  • Suche
  • von A bis Z
  • Kategorien

<< zurück



Einleitung

Epilepsien sind Anfallskrankheiten mit anfallsweise auftretenden Spontanentladungen zentraler Neurone. Epilepsie ist ein Symptom und nicht eine Diagnose.
Die Symptomatik variiert von kurzem Erlöschen der Aufmerksamkeit (Absencen) bis hin zu verlängerter Bewusstlosigkeit mit abnormer motorischer Aktivität (tonisch-klonische Anfälle).
In der Praxis muss unterschieden werden, ob es sich um den ersten epileptischen Anfall überhaupt oder um einen weiteren einzelnen epileptischen Anfall bei bekannter Epilepsie handelt.
Der erste epileptische Anfall überhaupt muss stets als Notfall betrachtet werden, da er häufig Ausdruck einer akuten Gehirnerkrankung oder Affektion ist und die Gefahr des Auftretens weiterer epileptischer Anfälle bzw. des Übergangs in einen Status epilepticus groß ist. Sofort Notarzt und Rettungswagen benachrichtigen!
ANZEIGE:
Logo IMC Uni Essen Duisburg
in Kooperation mit
Logo MVZ Kopfzentrum
Zahnimplantate,
Parodontosebehandlungen,
Aesthetische Zahnbehandlungen
zu sehr guten Konditionen
In der Praxis für Zahnmedizin im EKN Duisburg
Weitere Informationen unter www.mvz-kopfzentrum.de

Ursachen

  • frühkindliche Hirnschäden
  • intrakranielle Raumforderungen
  • genetische Disposition
  • Hirntraumata
  • Hirngefäßerkrankungen
  • Stoffwechselentgleisungen (z. B. Hyperglykämie, Hypoglykämie)
  • Pharmaka
  • Absetzen von Antiepileptika
  • Absetzen von zentral dämpfenden Pharmaka

Anfallsrisiko bei der Zahnbehandlung

Ein epileptischer Anfall ist der zweithäufigste (Chapman 1997) bzw. dritthäufigste (Girdler et Smith 1999) Zwischenfall während der zahnärztlichen Behandlung. Statistisch erlebt jeder Zahnarzt während des Berufslebens bei seinen Patienten 1,5 generalisierte tonisch-klonische Anfälle (Chapman 1997).

Symptome eines tonisch-klonischen Anfalles (Grand mal)

I. Praekonvulsive Phase (

Diese Phase geht nicht jedem Anfall voraus.
  • Schweißausbruch
  • Erblassen oder Erröten
  • Angst, Unruhe
  • optische und akustische Halluzinationen

II. Konvulsive Phase

  1. tonisches Krampfstadium (10 sec)
    Die heftigste Anfallserscheinung ist der generalisierte tonische Anfall (griechisch tonos = Spannung) mit einer "tonischen" (steifen, starren) Verkrampfung der Skelettmuskulatur, die in der Regel den ganzen Körper oder große Teile mit Betonung des Rumpfes für einige Sekunden bis Minuten erfasst, mit Bewußtlosigkeit und Atemstillstand. Dabei kann es zu heftigen, gefährlichen Stürzen kommen.
    • initialer Schrei
    • Bewusstseinsverlust
    • abruptes Hinstürzen
    • Streckkrämpfe der Extremitäten
    • Opisthotonus (Rückwärtsneigung des Kopfes und die Überstreckung von Rumpf und Extremitäten)
    • verdrehte Bulbi mit weiten Pupillen
    • Apnoe mit Zyanose
    • Hypersalivation
  2. klonisches Krampfstadium (ca. 10-90 sec)
    Beim klonischen Anfall treten länger anhaltende rhythmische Zuckungen der Beugemuskeln ("Kloni", von griechisch klonos = heftige Bewegung) aller Glieder auf. Die Aufeinanderfolge (Frequenz) der Kloni ist in der Regel zunächst rasch (ca. 3/sec) und verlangsamt sich zum Ende des Anfalls.
    • forcierte, tiefe Atembewegung
    • rhythmische Beuge- und Streckkrämpfe des Rumpfes und der Extremitäten
    • evtl. Bissverletzung der Zunge
    • evtl. Einnässen

III. Postkonvulsives Stadium

Koma (5-15 min)
  • allgemeine Muskelerschlaffung
  • ruhiger Schlaf
Umdämmerung (Stunden bis Tage)
  • langsames Erwachen
  • Benommenheit und Verwirrtheit
  • retrograde Amnesie

Notfallmaßnahmen

Während des Anfalls:
  • Jegliche Tätigkeit am Patienten unterbrechen!
  • Schutzmaßnahmen des Patienten vor Verletzungen durchführen.
    Gegenstände, an denen sich der Betreffende verletzen könnte, wegräumen. Etwas Weiches unter den Kopf legen. Enge Kleidung am Hals lockern!
    Nicht festhalten!! (kann zu Gelenksluxationen führen)
    Nichts zwischen die Zähne zu schieben versuchen! (kann zu Zahn- und Kiefergelenksverletzungen führen, nützt nichts)
  • Beim Patienten bleiben, den Anfall genau beobachten, und wenn möglich die Zeit stoppen (Anfallsdauer).
  • Falls vom behandelnden Arzt eine Angabe über eine Notfallmedikation nach einer bestimmten Zeit vorhanden ist (z. B. Diazepam), so wird diese Notverordnung gegeben und der Arzt verständigt.
Postkonvulsiv:
  • Stabile Seitenlagerung, damit der Speichel und evtl. Erbrochenes abfließen und es nicht zu einer Aspiration kommen kann.
  • Ausräumung der Mundhöhle von Schleim, Blut oder Erbrochenem
  • Schutz des Patienten vor Selbstverletzung während der Umdämmerung
Nach einem einzelnen Anfall muss nicht unbedingt medikamentös behandelt werden. 95% aller epileptischen Anfälle sistieren von selbst innerhalb von 3 Minuten (Motzek-Noé 2005).
Tritt jedoch eine zweiter Anfall in kurzer Folge auf (wenn die Dauer eines tonisch-klonischen Anfalls 5 Minuten übersteigt), sollte auf jeden Fall unmittelbar ein Benzodiazepin i.v., bukkal oder rektal appliziert werden. Ist eine Angabe des behandelnden Arztes über eine Notfallmedikation vorhanden, so wird entsprechend vorgegangen.
Diese Maßnahmen nicht durchführen:
  • Einbringen eines Gummikeils zwischen die Kiefer (kann zu Zahn- und Kiefergelenksverletzungen führen, nützt nichts)
  • Beatmung des Patienten beim einzelnen Anfall, da eine vorübergehende Zyanose zum Anfall gehört
  • Fixierung der Extremitäten (kann zu Gelenksluxationen führen)

Status epilepticus

Ein Status epilepticus kann prinzipiell bei jeder epileptischen Erkrankung und bei jedem Anfallstyp auftreten.

Der Status epilepticus (SE) ist definiert entweder als ein epileptischer Anfall, der für eine ausreichend lange Zeit persistiert oder als sich wiederholende Anfälle, ohne dass das Bewusstsein zwischendurch wieder erlangt wird (Lowenstein et Alldredge 1998). Aus epidemiologischer Sicht ist die Dauer mit 30 min definiert. In der klinischen Praxis müssen aber bereits epileptische Anfälle, die länger als 5 min andauern, wie ein Status epilepticus (SE) behandelt werden. Jeder SE ist ein dringender medizinischer Notfall, der einer Soforttherapie am Ort des Auftretens, so wie einer Krankenhauseinweisung bedarf (Werhahn 2005).

Notfallmaßnahmen

  • Siehe oben!
  • Lorazepam (z. B. initial 2,5 mg sublingual) ist ein Benzodiazepin und das Mittel der ersten Wahl (Werhahn 2005).
    • Es hat eine höhere Bindungsaffinität zum Benzodiazepinrezeptor und damit eine signifikant längere Wirkung als Diazepam.
    • Außerdem kann es präklinisch auch oral in einer rasch resorbierbaren Form gegeben werden und ist da mit einfacher anzuwenden als z. B. Diazepamrektiolen.
  • alternativ: Diazepam 10-20 mg Rektiole rektal
    (Deutsche Gesellschaft für Neurologie)
  • Parallel Notarzt und Rettungswagen rufen lassen.


Links



Quellen

  • Chapman PJ (1997)   Medical emergencies in dental practice and choice of emergency drugs and equipment: a survey of Australian dentists   Aust Dent J 42:103-8
  • Girdler NM, Smith DG (1999)   Prevalence of emergency events in British dental practice and emergency management skills of British dentists   Resuscitation 41:159-67
  • Kennedy BT, Haller JS (1998)   Treatment of the epileptic patient in the dental office   N Y State Dent J 64:26-31
  • Lowenstein DH, Alldredge BK (1998)   Status epilepticus   N Engl J Med 338: 970-976
  • Motzek-Noé (2005)   Der bewusstseinsgetrübte Patient –Verhalten im Notfall   Bayerisches Ärzteblatt 2, Seite 92
  • Pick L, Bauer J (2001)   Dentistry and epilepsy   Nervenarzt. 2001 72:946-9
  • Werhahn KJ (2005)   Status epilepticus   Notfall & Rettungsmedizin 8:261- 264