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Bewusstlosigkeit - Synkopen

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Ursachen einer Bewusstlosigkeit

  1. toxisch
    • endogene Vergiftungen (Coma hepaticum)
    • exogene Vergiftungen (bes. Alkohol, Heroin, Sedativa, Psychopharmaka)
  2. kardiovaskulär
    • Kollaps
    • Schock
    • Kreislaufstillstand
  3. endokrin
    • Hypoglykämie
    • Hyperglykämie
    • u. a.
  4. zerebral
    • Epilepsie
    • Apoplex
    • Intrazerebrale Blutungen
    • u. a.
  5. psychisch
    • Hysterie
  6. Anoxämisch
    • Erstickung

Definition - Synkope

Plötzlich einsetzender, spontan reversibler Bewusstseinsverlust infolge einer zerebralen Minderperfusion.

Kardiale Synkopen sind eher beim älteren Patienten mit Vorerkrankungen zu erwarten.
Jüngere Patienten ohne bekannte Erkrankungen reagieren eher mit Synkopen anderer Genese.

Vasovagale Synkope

Die vasovagale Synkope gehört in die Gruppe der neurogenen, über den Reflexbogen ausgelösten Kreislaufstörungen. Es wird auch der Begriff der neurokardiogenen Synkope verwendet. Laien sprechen von Ohnmachtsanfällen.
Dies ist die häufigste Form der Synkope bei im allgemeinen gesunden Patienten.
Ursachen sind Angst, Schmerz und Stress.
Diese Faktoren lösen eine Reflexkaskade aus mit Verminderung der Sympathikusaktivität und Verstärkung der Parasympathikusaktivität.
Symptome
einer sich anbahnenden vasovagalen Synkope:

Gehen der Synkope Übelkeit, kaltes Schwitzen oder ein Wärmegefühl, Brechreiz, Gähnen oder muskuläre Schwäche voraus, bestehen abdominelle Beschwerden, Hyperventilation, Einschränkung des Bewusstseins und des Sehvermögens (Tunnel-, Grausehen) und Hörverlust, so spricht dies für ein vasovagales Geschehen.
  • Schwindel
  • Schwarzwerden vor den Augen
  • Blässe
  • Herzklopfen
  • Schwitzen
  • Übelkeit
Dann folgen:
  • Blutdruckabfall
  • Bradykardie
  • Bewusstseinsverlust (plötliche kurze Ohnmacht)
Tritt die Synkope in einem engen Raum mit Gedränge, nach langem Stehen, unter starker psychischer Belastung, bei Angst, nach Schlafentzug, im Hungerzustand oder bei medizinischer Instrumentation oder Blutentnahme auf, so ist ein vasovagaler Mechanismus wahrscheinlich.
Therapie
  • Behandlung abbrechen
  • Flachlagerung
  • Beine anheben
  • Frischluftzufuhr
  • Vitalzeichenüberwachung (Puls, Blutdruck, Ansprechbarkeit)
  • ggf. Etelifrin (z. B. Effortil®), ein α- und β-Sympathikomimetikum
    Kontraindikationen: u. a. Herzrhythmusstörungen, KHK
  • ggf.O2-Gabe über eine Nasensonde
bei anhaltendem Bewusstseinsverlust:
  • Atemwege freihalten
  • intravenösen Zugang legen
  • Notarzt rufen lassen
  • Wärmeerhaltung
  • Überwachung

Orthostatische Synkope

  • innerhalb von Sekunden oder Minuten nach Aufrichten/Aufstehen; nach langem Stehen
Ursache der orthostatischen Synkope ist die orthostatische Hypotonie.
Die orthostatische Hypotonie bedeutet eine gestörte Blutdruckregulation. Kennzeichnend ist die Beschwerdefreiheit im Liegen. Nur beim Lagewechsel oder in aufrechter Körperhaltung setzen die Symptome ein. Die gestörte Blutdruckregulation führt innerhalb von Sekunden oder Minuten nach dem Aufstehen zu einem Abfall des systolischen Blutdrucks um mindestens 20 mm/Hg im Stehen. Das venöse Blut versackt in den Beinen. Auch nach langem Stehen kann es zu einem Abfall des systolischen Blutdrucks kommen.
Therapie
  • Behandlung abbrechen
  • Trendelenburg-Position (ca. 30° Kopftieflage)
  • Hochlagerung der Beine
  • Frischluftzufuhr
  • Vitalzeichenüberwachung (Puls, Blutdruck, Ansprechbarkeit)
  • ggf. Etelifrin (z. B. Effortil®), ein α- und β-Sympathikomimetikum
    Kontraindikationen: u. a. Herzrhythmusstörungen, KHK
  • ggf. O2-Gabe über eine Nasensonde

Kardiale Synkopen

Kardiale Synkopen sind eher beim älteren Patienten mit Vorerkrankungen zu erwarten.
Low-Output-Syndrom
Kardiale Synkopen entstehen entweder infolge einer Verminderung der Herzleistung bei Arrhythmie oder infolge einer mangelnden Kapazität des Herzens bei Herzkrankheit, die Herzleistung an einen erhöhten Bedarf anzupassen. Durch verschiedene Ursachen kommt es zu einer akuten verminderten Auswurfleistung des Herzens mit akuter Verminderung des venösen Rückstroms.

Ursachen:
Herzinfarkt mit Pumpversagen
(siehe: Herzinfarkt)
Lungenembolie
Die Lungenembolie ist ein Verschluss einer Lungenarterie durch Einschwemmen eines Embolus (abgelöster Thrombus).
Die Symptomatik ist akut einsetzend:
  • schlagartige intensive Dyspnoe/Tachypnoe
  • Tachykardie
  • Thoraxschmerzen (verstärkt bei der Inspiration)
  • Husten
  • Angst, Beklemmungsgefühl
Herzrhythmusstörungen
Rhythmusstörungen des Herzens sind häufig.
Sie kommen beim organisch Gesunden vor oder sind Folge einer Erkrankung.

Subjektive Beschwerden des Patienten:
  • Herzklopfen
  • Herzstolpern
Risiko bei der Behandlung:
  • ggf. belastungsinduziertes Auftreten von Rhythmusstörungen oder Synkopen
  • diese können zu Störungen der Hämodynamik führen bis hin zum Kreislaufstillstand
Risikoreduktion:
  • Kreislaufbelastungen vermeiden
  • im Monitoring ggf. Zunahme der Rhythmusstörungen beachten
Notfallmaßnahmen
  • Oberkörperhochlagerung!!!
  • O2-Gabe über eine Nasensonde
  • parallel Notarzt und Rettungswagen rufen lassen
  • weitere Behandlung je nach Ursache

Vena-Cava-Kompressionssyndrom

Bei Schwangeren im letzten Schwangerschaftsdrittel wird diese Synkope ausgelöst durch eine Rückenlage, bei der der Uterus die Vena cava komprimiert.
Das Cava-Kompressions-Syndrom ist durch einen Blutdruckabfall gekennzeichnet.
Therapie
Lageänderung der Patientin in eine Linkshalbseitenlage oder sitzende Position.